Ein Leben für die Fischerei

Wer Herma und Gottfried Decini in ihrem Haus in Höchst besucht, versteht schnell: Hier brennen zwei Menschen für die Fischerei. Mehr Begeisterung geht fast nicht.

Bevor wir am gemütlichen Tisch Platz nehmen dürfen, führt uns der Hausherr in den Keller.       

Dort hat er sich sein persönliches Paradies geschaffen. Stolz präsentiert er eine beeindruckende

Sammlung von Fischerzeitungen, verschiedensten Karten, Fangstatistiken sowie vielen weiteren

Dokumenten und Unterlagen, die seine tiefe Verbundenheit zur Fischerei dokumentieren.

Ein Highlight ist ein Lager mit einer Auswahl an Angelutensilien, die jedem Fachgeschäft alle

Ehre machen würde. „Dafür habe ich ein kleines Vermögen ausgegeben. Andererseits habe ich in

meinem ganzen Leben noch nie Urlaub gemacht“, sagt Gottfried Decini.


Die Fischerei hat den heute 75-Jährigen schon früh in ihren Bann gezogen. „Ich bin in Hard aufgewachsen, und mein Onkel hat mich schon mit sechs, sieben Jahren auf den See mitgenommen. Das hat mich von Anfang an so fasziniert, dass ich mit einer selbst gebauten Angel schon

bald meine ersten Versuche unternommen habe.“






Das erste eigene Boot

So richtig losgegangen ist es, als sich Gottfried mit 23 Jahren ein gebrauchtes Boot gekauft hat. „Über zwei Jahrzehnte war ich damit unterwegs. Erst in den 90er-Jahren habe ich mir ein Polyesterboot geleistet, das so gehegt und gepflegt wird, dass es bis heute beste Dienste leistet.“ Gefischt wurde damit „früher mehr als jetzt in der Pension“ – und vor allem bei jedem Wetter. „Ohne Thermoanzug“, wie er mit einem Augenzwinkern anmerkt.

 

Fischerpausen gab es nur selten. „Eine Zeit lang war Fußball mein zweites Hobby“, erinnert sich Gottfried an seine Jahre als Spieler bei Admira Dornbirn und Austria Lustenau. Auch der Hausbau in den 70er-Jahren forderte zeitliche Opfer. Als gelernter Tischler und geschickter Handwerker hat er damals vieles selbst gemacht. „Da war dann nur der Sonntag fürs Fischen reserviert.“



Klare Rollenverteilung

Kein Wunder, dass die Leibspeise der Decinis Fisch in allen Variationen ist – mit klarer Rollenverteilung: Gottfried kommt mit der Kühltasche vom Fischen nach Hause, wo Herma als kongeniale Partnerin sofort die Verarbeitung übernimmt, bis hin zum Räuchern in der eigenen Räucherkammer, die Gottfried im Garten gebaut hat.

 

„Schon allein wegen der Kochkünste meiner Frau muss ich noch lange fischen gehen“, sagt Gottfried zum Abschied. So bleibt denn auch der 10. Jänner wohl noch länger sein ganz persönlicher Feiertag. An diesem Tag endet jedes Jahr die Schonzeit der Fische – und es geht wieder los mit dem, was seit sehr, sehr langer Zeit sein Leben bestimmt.

Gottfried Decini ist Mitglied im FV Rheindelta und als gebürtiger Harder auch im dortigen Fischereiverein aktiv. Im FV Rheindelta war er zehn Jahre lang Vizeobmann, insgesamt ist er seit 35 Jahren Funktionär. In dieser Zeit hat er fünf Obmänner erlebt. Im IBF vertrat er rund zehn Jahre lang die Interessen der Vorarlberger Angelfischer.

Seine Frau Herma, die beiden feiern heuer Goldene Hochzeit, betreute als Jugendleiterin im FV Rheindelta bis zu 180 Nachwuchsfischerinnen und -fischer. Bis heute hilft sie im Verein, „wo man helfen kann“. Ihre Zeit widmet sie am liebsten der Natur – im Vorstand des „Fördervereins Naturpark am Alten Rhein“, im eigenen Garten und bei der morgendlichen Runde mit ihrer Schwester: Fünfmal in der Woche sind die beiden von 7 bis 9 Uhr am See unterwegs.

Fotos: Lisa Dünser

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